Was beim Autorecycling mit Ihrem Wagen passiert
Trockenlegung, Schadstoffentfrachtung, Demontage und Schredder: der Weg eines Altautos zum Rohstoff – mit aktuellen Recyclingquoten des Umweltbundesamts.
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Kurz gesagt
Wenn der Abschleppwagen mit Ihrem alten Auto vom Hof fährt, beginnt ein genau geregelter Prozess. Am Ende steht kein „Schrotthaufen“, sondern sortierte Rohstoffe. So läuft es ab.
Schritt 1: Annahme und Dokumentation
Der Betrieb erfasst das Fahrzeug mit seiner Fahrzeug-Identifizierungsnummer und prüft die Papiere. Auf dieser Grundlage entsteht der Verwertungsnachweis, mit dem Sie belegen, dass Ihr Auto ordnungsgemäß entsorgt wurde.
Schritt 2: Trockenlegung
Bevor irgendetwas ausgebaut wird, werden alle Betriebsflüssigkeiten abgelassen und getrennt gesammelt:
- Kraftstoff
- Motor-, Getriebe- und Differenzialöl
- Bremsflüssigkeit
- Kühlmittel
- Scheibenwaschwasser
- Kältemittel der Klimaanlage
Das geschieht auf abgedichteten Flächen mit Auffangsystemen – eine Voraussetzung für die Anerkennung als Demontagebetrieb.
Schritt 3: Schadstoffe entfernen
Anschließend werden Bauteile ausgebaut, die Schadstoffe enthalten oder gesondert behandelt werden müssen: Starterbatterie, Ölfilter sowie Airbags und Gurtstraffer, die ausgebaut oder kontrolliert ausgelöst werden. Bei Elektro- und Hybridfahrzeugen kommt die Hochvoltbatterie hinzu, die nur speziell geschultes Personal ausbauen darf.
Schritt 4: Verwertbare Teile ausbauen
Jetzt geht es um Wertstoffe und Gebrauchtteile. Katalysatoren enthalten Platin, Palladium und Rhodium und werden gesondert recycelt. Reifen, große Kunststoffteile und Glas werden – soweit sinnvoll – vor dem Schreddern entnommen. Gut erhaltene Bauteile gängiger Modelle wie Motoren, Getriebe oder Türen gehen als Gebrauchtteile in den Kreislauf zurück.
Schritt 5: Schreddern und Sortieren
Die Restkarosse wird gepresst und in einer Schredderanlage in faustgroße Stücke zerkleinert. Magnete ziehen Stahl und Eisen heraus, weitere Anlagen trennen Aluminium, Kupfer und andere Nichteisenmetalle. Übrig bleibt die sogenannte Schredderleichtfraktion aus Kunststoffen, Textilien, Gummi und Schaumstoffen. Sie lässt sich nur teilweise stofflich recyceln und wird überwiegend energetisch verwertet.
Die Quoten in Zahlen
Die Altfahrzeugverordnung schreibt vor, dass mindestens 95 Prozent des durchschnittlichen Fahrzeuggewichts wiederverwendet oder verwertet und mindestens 85 Prozent wiederverwendet oder stofflich recycelt werden.
Laut Umweltbundesamt sieht die Bilanz für Deutschland so aus:
| Kennzahl | Wert | Bezug |
|---|---|---|
| Recyclingquote (Vorgabe: 85 %) | 86,1 % | 2023 |
| Verwertungsquote (Vorgabe: 95 %) | 93,3 % | 2023 |
| Offiziell angenommene Altfahrzeuge | 253.195 | 2023 |
| Anerkannte Demontagebetriebe | 973 | Mitte 2024 |
| Schredderanlagen | 62 | Mitte 2024 |
Das Problem des ungeklärten Verbleibs
Die Zahlen zeigen auch eine Lücke: Für 2023 beziffert das Umweltbundesamt den ungeklärten Verbleib auf rund 440.000 Fahrzeuge – mehr, als offiziell verwertet wurden. Ein Teil davon dürfte in nicht genehmigten Werkstätten zerlegt werden, wo Öle und Kältemittel oft ungeschützt in die Umwelt gelangen.
Für Sie als Halterin oder Halter heißt das: Achten Sie darauf, dass Ihr Auto bei einem anerkannten Betrieb landet, und lassen Sie sich den Verwertungsnachweis geben. Nur so ist dokumentiert, dass Ihr Fahrzeug nicht Teil dieser Lücke wird.
Und die Batterie von Elektroautos?
Hochvoltbatterien werden nach dem Ausbau entweder weiterverwendet – etwa als stationärer Speicher – oder recycelt, um Lithium, Nickel, Kobalt und Kupfer zurückzugewinnen. Die EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 schreibt dafür steigende Rückgewinnungsquoten vor, für Lithium zum Beispiel 50 Prozent bis Ende 2027 und 80 Prozent bis Ende 2031.
Häufige Fragen
Wie viel von einem Auto wird recycelt?
Vorgeschrieben sind mindestens 85 Prozent Wiederverwendung und stoffliches Recycling sowie 95 Prozent Verwertung insgesamt. Laut Umweltbundesamt lag die Recyclingquote in Deutschland 2023 bei 86,1 Prozent, die Verwertungsquote bei 93,3 Prozent.
Was passiert mit dem Altöl?
Es wird getrennt gesammelt und an zugelassene Entsorger übergeben, die es überwiegend zu neuem Grundöl aufbereiten oder energetisch verwerten.
Werden auch Elektroautos recycelt?
Ja. Die Hochvoltbatterie wird von geschultem Personal ausgebaut und entweder weiterverwendet oder recycelt, um Rohstoffe wie Lithium, Nickel und Kobalt zurückzugewinnen.